Feiern wir Gottes Hochzeit mit uns!

C 2. So. im Jahreskreis 2016; Jes. 62.1-5; Joh. 2.1-11.

Bernd Knüfer SJ, Floßplatz 32, 04107 LEIPZIG;

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Sechs Hektoliter guten Weines, das ist selbst im Orient ein beachtlicher Beitrag zu einer Hochzeit kleiner Leute. Diese Erzählung eröffnet im Johannesevangelium die Berichte von den Taten und der Lehre Jesu. Dabei geht es natürlich nicht in erster Linie um diese konkrete Hochzeit und erst recht nicht um deren Versorgung mit Wein. Wir müssen die Bilder verstehen, die hier gebraucht werden:

Am Ende der Lesung aus dem Propheten Isaias ist schon von Vermählung die Rede: Gott will sich mit Jerusalem, mit seinem auserwählten Volk vermählen, in Liebe verbinden. Dieses Bild für die Beziehung zwischen Gott und seinem auserwählten Volk finden wir im Alten Testament öfters. Im Neuen Testament weitet sich der Blick und es wird uns immer wieder gesagt, wie sehr Gott die ganze Welt und insbesondere seine ganze Menschheit liebt und nichts mehr will, als ihr in Liebe verbunden sein.

Die ersten drei Evangelien leiten Jesu öffentliches Wirken mit seinem Aufruf zur Umkehr und zum Glauben an die Frohe Botschaft ein. Johannes beginnt sein Evangelium mit der wichtigsten Aussage dieser Botschaft: Gott liebt euch, er liebt euch von Anfang an und ohne Voraussetzung, er will euch in Liebe zuinnerst verbunden sein. Es geht nur darum, dass ihr euch nicht verschließt.

Als Bild für dieses Fest der Liebe nehmen die Evangelien immer wieder ein Festmahl oder ein Hochzeitsmahl. Die Gemeinschaft der Menschen mit Gott und untereinander soll wirklich gefeiert werden. Auch mit Wein! Matthäus und Lukas berichten davon, dass man es Jesus vorgeworfen hat, dass er mit den Menschen, auch mit Sündern und Steuereintreibern gegessen und Wein getrunken hat. Er steht dazu und sagt: „Johannes kam, er aß und trank nicht und sie sagten, er ist vom Teufel besessen. Der Menschensohn kam. Er isst und trinkt und sie sagen: Der Fresser und Säufer! Euch kann man es nie recht machen!“ Der Wein gehörte in der damaligen Kultur zum Feiern dazu und so wurde auch das Anbrechen der Herrschaft Gottes und die Erfahrung seiner liebevollen Nähe immer wieder auch mit Wein gefeiert. Und als aus asketischen Überlegungen in der Kirche schon in den ersten Jahrhunderten Leute auftraten, die das Abendmahl nicht mehr mit Wein sondern mit Wasser feierten, da hat die Kirche das abgelehnt. Wenn Fasten dann fasten, wenn Feier dann feiern! Das Annehmen der Liebe Gottes hat auch mit Umkehr und Buße zu tun, zuerst aber ist es – und da unterscheidet sich Jesus von Joh. dem Täufer und auch vom Alten Testament – zuerst ist es ein Fest. Dazu passt es auch, dass Jesus im Matthäusevangelium die große Bergpredigt mit den „Seligpreisungen“ beginnt: „Freut euch, die ihr arm seid und hungert und dürstet nach Gerechtigkeit, ja freut euch und jubelt, wenn euch die Menschen um meinetwillen verfolgen, denn Gott ist auf eurer Seite.“ Es ist auch ein Zeichen dafür, dass Jesus beansprucht, dass mit ihm die messianische Zeit anbricht, dass Gott durch ihn sein Volk, ja die ganze Menschheit retten will und das gilt es zu feiern. Bei Johannes ist dieses Feiern das erste Zeichen das Jesus wirkt und das seine Jünger zum Glauben bringt.

Und so dürfen und sollen wir die Nähe Gottes feiern, auch wenn Wolken am Himmel aufziehen, so wie wir gerade von den armen Gemeinden in der weltweiten Kirche lernen können. Die tanzen und feiern, auch wenn sie im Elend leben und verfolgt und unterdrückt werden. Schon im Advent hat uns Paulus zugerufen: Freut euch im Herrn und lasst alle Menschen eure Güte erfahren.

Beides gehört zusammen: „Lasst alle Menschen eure Güte erfahren“ und die Freude. Die Güte zu allen Menschen ist gerade die Quelle der Freude, denn in der Güte zu einander, in der Güte, die keinen ausschließt, werden wir Gott ähnlich und schenken uns gegenseitig seine Liebe, geben wir weiter, was Er in der Tiefe unseres Herzens angelegt hat.

Welche Freude war es in unserem Land, als wir die Flüchtlinge offen aufgenommen haben. Wir haben wieder entdeckt, welche Kraft von Menschlichkeit in uns steckt. Jetzt sind wir in Gefahr, diese Erfahrung wieder zu verspielen. Sind wir so kurzatmig? Haben wir wirklich geglaubt, dass die Integration von Flüchtlingen ohne Opfer geht? Dass es da keine Schwierigkeiten gibt? Vor lauter Köln sehen wir auf einmal die Mehrheit der Flüchtlinge nicht mehr. Wir haben nach 45 alle darauf bestanden, dass nicht alle Deutschen Nazis waren, obwohl immerhin die Mehrheit Hitler gewählt hat. Dabei sagt uns die Polizei, dass die kriminellen Ausländer nicht aus den Reihen der Syrer, Iraker usw. kommen, die im vergangenen Jahr die Mehrheit der Flüchtlinge stellten, sondern aus denen der Nordafrikaner, die teilweise keine Flüchtlinge sind.

Heute ist der Weltflüchtlingstag der katholischen Kirche. Der Papst hat uns wieder dringlich aufgerufen, die vor Krieg, Gewalt, Verfolgung und Hunger Fliehenden aufzunehmen. Es geht um diese Menschen und es geht um unsere Menschlichkeit. Feiern wir Gottes neue Ordnung in Güte und die Freude wird uns nicht fehlen.

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