Umwelt und Soziale Gerechtigkeit

Predigt zum Friedensgebet 18.1.2016

Bernd Knüfer SJ, Floßplatz 32, 04107 LEIPZIG

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Nach der Enzyklika von Papst Franziskus Laudato Sí

Gen. 1, 26 – 31.

Der vergangene Montag und damit auch das Friedensgebet standen ganz im Zeichen der Flüchtlingsfrage. Jetzt sprechen wir im Zusammenhang mit der Umwelt- und Sozialenzyklika von Papst Franziskus über die alte Troika: Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. M.a.W. wir sprechen über die Beseitigung wesentlicher Fluchtursachen.

Die Zerstörung der Umwelt schafft Konflikte, z.B. um Wasser, sie schafft Hunger durch Missernten und das Anwachsen der Wüsten, und sie treibt zur Migration, wenn Menschen keinen Grund und Boden oder keine Erwerbsmöglichkeit mehr haben. Deutlicher gesagt: Wenn wir weiter mehr von der Welt verbrauchen, als uns zusteht, - und das tun wir nahezu alle! – dann heizen wir die Fluchtbewegungen an, gegen die wir uns wehren. Nur eine Zahl: Wenn alle Menschen das gleiche Recht beanspruchen, CO2 zu produzieren, dann stehen jedem pro Tag nur 5 kg zu. Anders bricht die Welt in absehbarer Zeit zusammen. Bei uns aber produzieren Sparsame ca. 14kg, „Normalverbraucher“ aber 25.

Es ist Franziskus ein großes Anliegen, diese Probleme in ihren wechselseitigen Zusammenhängen zu sehen. Auch er geht aus vom Schöpfungsbericht und betont, dass das Herrschen über die Welt keine Willkürherrschaft sein darf, sondern auch nach Gottes Vorbild geschehen muss, nachdem wir als sein Abbild geschaffen sind. D.h. wir dürfen die Erde nicht ausbeuten und zerstören, denn sie ist jedem von uns und der Menschheit insgesamt nur für eine kurze Zeit zu Lehen gegeben. Wir sollen von ihr leben, sie aber nicht verbrauchen. Und dieses Leben von der Erde muss behutsam geschehen, wie schon der vegetarische Speiseplan andeutet. Der war wohl nie Realität – schon die Saurier waren teilweise Fleischfresser. Aber ein gewaltarmer Umgang mit der Natur ist wohl das Mindeste, was uns hier abverlangt wird. Die ursprüngliche Idee Gottes von der Schöpfung war wohl mit großer Harmonie verbunden: „Gott sah, dass alles sehr gut war.“

So geht Franziskus von dem für Buddhisten wie Christen vertrauten Ziel der Achtsamkeit aus. Wer, wie sein Vorbild Franz v. Assisi, voll Mitgefühl ist für die gesamte Schöpfung, für sich und für die anderen, der wird auf die Bewahrung der Welt auch achten statt gewalttätig mit ihr umzugehen. Wer im anderen den Bruder und die Schwester sieht, der wird darauf achten, dass sie wenigstens erträgliche Lebensbedingungen haben. Davon aber sind wir weit entfernt.

Um den Verzicht leisten zu können, der den reichen Ländern zugemutet werden muss, bedürfen wir eines reichen spirituellen Lebens und erfüllender innerer Werte. Wer innerlich leer und unzufrieden ist, strebt notwendigerweise nach materieller Befriedigung und dreht damit die Konsumspirale weiter.

Wir brauchen ein neues Denken, eine neue Orientierung:

  • Mitreden und nicht nur Mitlaufen

  • Gegen die Herrschaft des Geldes und der „technischen Notwendigkeiten“

  • Bildung statt Ahnungslosigkeit

  • Nicht viel haben, sondern gut leben

  • Für qualitatives und gegen quantitatives Wachstum.

  • So leben, dass andere überleben

  • Gegenseitiger Dienst statt gegenseitige Ausbeutung und Unterdrückung

Das wäre schön. Das kostet uns aber auch etwas. Da müssen wir über unseren Schatten springen und einander helfen.

Klima- und Migrationsforscher sagen uns: Wenn wir nicht grundlegend genügsamer und kreativer werden, dann werden wir in 10 – 20 Jahren Wanderungsbewegungen auf der Erde haben, die das Heutige um ein vielfaches übersteigen.

Handeln wir aber nicht primär aus Angst! Angst kann man verdrängen. Handeln wir aus Liebe zu uns und zur gesamten Schöpfung und der Schöpfer wird mit uns sein.

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