Gemeinde derer, die Gottes Gerechtigkeit tun.

5. Fastensonntag 2016, Misereorsonntag, Amos 5.21-24; Mt. 25. 31–46.

Ist das Gottes Gerechtigkeit? „Ich werde ihnen ihre Untaten nie verzeihen“ und „die einen erwartet die ewige Strafe, die anderen aber das ewige Leben“. Ist Gott unversöhnlich? Ich weiß nicht, wie Gottes Gerechtigkeit letzten Endes aussieht. Ich hoffe, dass es um des Leidens Christi willen für jeden Menschen ein letztes Erbarmen gibt. Aber ich lese auch die Gleichnisse und Reden des Herrn über das letzte Gericht. Ich sehe den Herrn am Kreuz und denke an sein Wort beim Einzug in Jerusalem, wie es Johannes überliefert: „Jetzt ergeht das Gericht über diese Welt, jetzt wird der Fürst dieser Welt hinausgeworfen.“  Eng ist damit verbunden das Wort vom Weizenkorn, das in die Erde fällt und stirbt und so fruchtbar wird für viele. Nur in liebender Hingabe wird das Unrecht der Welt überwunden und zu dieser höheren Gerechtigkeit sind wir gerufen und im Heiligen Geist befähigt, wenn wir es wahrnehmen wollen. Wir hören auch sein  Wort des Erbarmens an den Räuber, der mit ihm gekreuzigt worden ist und sich zu ihm bekennt, indem er um dieses Erbarmen bittet. Wenn aber einer den Herrn in seinem Mitmenschen verachtet oder nicht sehen will, wer sich weigert, das Leben mit den Armen zu teilen, wie soll der zusammen mit diesen verachteten Mitmenschen vor Gott treten können, um bei ihm unendlich glücklich zu sein? So kann für uns das Wort bei Amos „Das Recht ströme wie Wasser“ ein Fluch sein oder ein Segen, es kann uns wegschwemmen wie ein Tsunami oder Segen sein, wie ein sanfter Regen auf dürrem Land.

Wir haben in dieser Fastenzeit unter verschiedenen biblischen Bildern über uns als Gemeinde nachgedacht. Wir haben von uns gehört als Volk Gottes, das zur Gerechtigkeit gerufen ist. Wir haben uns betrachtet als Familie in Gottes Namen, in der einer für den anderen einsteht. Es war die Rede von dem einen Leib, der in seinen vielen Gliedern lebt und nur dann gesund ist, wenn ein Glied so geachtet ist, wie das andere, wenn eines für das andere wirkt und wenn wirklich alle Glieder mitleiden und sich sorgen, wenn ein Glied krank ist. In der ersten Predigt hat Pfr. Giele von der Gemeinde als Herde unter der Leitung eines Hirten gesprochen und davon, dass Schafe nicht nur dazu da sind, gehütet und gefüttert zu werden, sondern auch dazu, die Menschen mit Wolle, Milch und Fleisch, mit ihrem eigenen Fleisch zu versorgen. Ich denke da auch an das Bildwort vom Lamm Gottes. Pfr. Giele hat es vor allem bezogen auf den Dienst der Gemeinde an der Stadt, in der sie lebt. Bischof Heiner Koch hat in seinem ersten Hirtenbrief davon gesprochen, dass wir Kirche sind von der Eucharistie her. Wir sind Gemeinde, wenn wir zu Jesu Gedächtnis das tun, was er getan hat, wenn wir so wie er da sind für andere, und - ich wage es kaum zu sagen – wenn wir uns hingeben für andere.

Wenn wir wenigstens teilen würden, hätte ich schon weniger Angst um uns. Papst Franziskus hat uns in der Enzyklika „Laudato Sí“ eindringlich gemahnt, die Erde verantwortlich zu gebrauchen und die Güter der Erde gerecht unter einander zu teilen. Wenn ich sehe, wie weit wir davon entfernt sind, wird mir bange um uns. Wie wollen wir da vor den nächsten Generationen bestehen, wie wollen wir unsere eigene Zukunft sichern, wenn wir nicht eilig mehr Gerechtigkeit auf der Welt schaffen, wenn wir uns nicht wesentlich einschränken und umstellen, damit alle auf der Erde menschenwürdig leben können und damit nicht durch Hungermigration und Verteilungskämpfe das Zusammenleben der Völker zerbricht. Das Chaos, das uns dann droht, wäre gewaltig. Wie wollen wir vor Gottes Gericht bestehen, wenn unsere ermordeten, verhungerten und um alle Lebenschancen betrogenen Brüder und Schwestern als Ankläger gegen uns aufstehen?

Gemeinde Christi sein heißt Gemeinschaft für andere sein. Die Erfahrung zeigt, dass Gemeinden mit einem lebendigen Engagement für die Armen dieser Welt nicht zu kurz kommen. Die Gemeinden der südlichen Halbkugel der Erde geben von ihrem Geist doppelt zurück, was wir ihnen an Hilfe geben. Gemeinden, die für Umwelt und Gerechtigkeit kämpfen sind oft lebendige Gemeinden, die sich um neue Mitglieder nicht sorgen müssen. Glaubwürdigkeit zieht an und Engagement verbindet. Mit Isaias möchte ich sagen: „Auf, lasst uns wandeln im Lichte des Herrn.“ (Is. 2.5)

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