Zur Freiheit hat uns Christus befreit

13. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr c

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C 13 2016; Gal.5.1+13-18; Lk. 9. 51 -63.

Zur Freiheit hat uns Christus befreit.

Zur Freiheit hat uns Christus befreit, schreibt Paulus. Zu welcher Freiheit? Wohl kaum zu dem, was man heute oft unter Freiheit versteht, nämlich Beliebigkeit, Unverbindlichkeit und ewige Unentschiedenheit. Wozu dann?

Sicher meint Paulus die Freiheit vom jüdischen Ritualgesetz, nicht von den 10 Geboten, sondern von den vielen oft sehr kleinlich interpretierten Regelungen der Reinheits- und Sabbatregeln. Jesus hat sich sehr engagiert für eine dem Menschen dienliche Interpretation des Sabbat- und anderer Gebote, die durch die Interpretation der Schriftgelehrten den Menschen die Bewegungsfreiheit genommen haben. Sein Grundsatz war: „Der Mensch ist nicht für den Sabbat da, sondern der Sabbat für den Menschen.“ Auch heute dürfen wir bei manchen Vorschriften der Kirche oder des Staates fragen, ob sie noch dem Menschen dienen oder ob sie zu einem starren Korsett geworden sind, das das Leben abwürgt. Ich denke da an Regeln der Liturgie oder der Moral ebenso, wie an manche sinnlose Regelung aus Brüssel. Verstehen Sie mich nicht falsch: Es geht nicht um Beliebigkeit, sondern um das Recht zu fragen, ob eine Regel dem Menschen noch dient, und auch dagegen zu handeln, soweit das Gemeinwohl nicht beschädigt wird.

Paulus meint die Freiheit des Christen aber noch grundsätzlicher: Wir müssen durch Werke der Gesetzeserfüllung die Liebe Gottes nicht erst verdienen. Gottes schöpferische Liebe ist immer vor unserem Handeln da. Sie ist die Kraft, die uns zum Handeln befähigt, sie befreit uns von der Angst, wenn ich was falsch mache, dann werde ich nicht mehr geliebt. Diese Liebe nehmen wir freilich erst wahr, wenn wir in der Stille, im Verweilen vor Gott auf diese Liebe achten, auf die innere Kraft das Gute und Richtige zu erkennen und zu tun.

Gottes Liebe ist es auch, die uns den Mut gibt, Verzeihung und Liebe zu anderen Menschen zu riskieren. Auch wenn wir enttäuscht und ausgenützt werden, dann sind wir nicht die Dummen. Alle unsere Versuche, recht zu handeln, sind bei Gott aufgehoben. Jesus ruft uns zu einer Nachfolge, bei der wir nicht immer wissen, wohin das führt. Im Evangelium hieß es beispielsweise: Ihr werdet nicht wissen, wo wir die nächste Nacht schlafen werden. Gott sorgt für uns, wenn auch nicht selten unter rauen Bedingungen. Wenn wir das ernst nehmen, dann erscheint unsere Angst, die Flüchtlinge nähmen uns zu viel weg, nicht sehr christlich zu sein. Wie weit reicht unser Vertrauen, Gott werde für uns sorgen? Ich plädiere hier nicht für unbedachtes Handeln, sondern für Grußzügigkeit.

Zur Großzügigkeit, zur Freiheit des schenken Könnens finden wir, wenn wir uns, wie Paulus sagt, vom Geist führen lassen. Gemeint ist wohl der Geist Gottes, der in der Kirche, durch die Zeichen der Zeit und durch vieles andere zu uns spricht, vor allem aber in unserem Gewissen. Das Gewissen ist die letzte Instanz unserer sittlichen Entscheidungen, der Ausrichtung unseres Lebens. Wenn wir lernen, immer sorgfältiger auf diesen Kompass zu achten, dann kommen wir von Umwegen zu einem geraden Lebensweg, von unguten Bindungen zur inneren Freiheit und von der Unentschiedenheit zu klaren Entscheidungen, hinter denen wir mit Herz, Bauch und Verstand stehen.

Diese klare Entschiedenheit meint Jesus wohl in den uns schroff erscheinenden Worten „Lasst die Toten ihre Toten begraben“ und „Wer die Hand an den Pflug legt und zurückschaut, der taugt nicht für das Reich Gottes.“ Da geht es nicht darum, dass er einen sauberen Abschied oder die Erfüllung von Pietätspflichten ablehnt, sondern darum, dass wir uns auf seinem Weg nicht behindern lassen von überholten Bindungen und Abhängigkeiten.

Die Freiheit in Christus heißt auch, dass wir im Hören auf Gottes Wort und auf seine innere Weisung keineswegs fremdgesteuert sind, sondern unser eigenes innerstes Wesen verwirklichen, nicht unsere oberflächlichen und oft widersprüchlichen Wünsche und Bedürfnisse, sondern unser innerstes Wesen, das was uns antwortet auf die Frage: „Wer bin ich eigentlich?“

Die Freiheit, zu der Jesus ruft, ist schon im Alten Testament die Freiheit in der Kargheit der Wüste, nicht die Freiheit gemütlicher Selbstzufriedenheit. Natürlich darf es auch Sicherheiten und Ausruhen geben, aber wesentlich auf Jesu Weg ist es, immer wieder aufzubrechen. Beten wir, dass wir die Kraft wahrnehmen, die Gott dazu gibt, und dass wir ihr folgen.

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