Gott freut sich über jeden Sünder der neu anfangen will?

Sonntag, 11. Sept. 2016: 1Tim. 1,12-17; Lk. 15.1-32.

Lauschen wir einmal innerlich auf diese Worte: „Die Freude im Himmel über einen Sünder, der bereut, was er getan hat, ist größer als die über 99 Gerechte, die keine Umkehr nötig zu haben meinen.“ Und: „Die Engel Gottes freuen sich schon über einen einzigen Sünder, der umkehrt.“ Und das Gleichnis über seinen himmlischen Vater endet damit dass der sagt: „Wir müssen doch ein Freudenfest feiern, denn dein Bruder war tot und ist wieder lebendig. Er war verloren und er ist wieder gefunden worden.“

Jesus redet nicht von billiger Vergebung, sondern von Freude über die Umkehr. Das ist das Besondere, worauf ich heute Ihre Aufmerksamkeit lenken will: Die drei Gleichnisse des 15. Kapitels bei Lukas handeln von Menschen, die sich verlaufen und auch vergangen haben. Eigentlich nichts Erfreuliches. Aber alle drei enden damit, dass sie von der Freude sprechen, die in Gottes Welt herrscht, wenn nur ein Irrläufer umkehrt oder sich wieder finden lässt. Und er sagt das zu Leuten, die sich in ihrer Selbstgerechtigkeit darüber aufregen, dass sich Jesus mit Menschen abgibt, die ganz schön schräg sind; die sich aber für ihn öffnen aus Freude und Dankbarkeit darüber, dass er sich ihnen zuwendet und von Gottes Liebe spricht.

Wo stehen wir in dieser Szene? Bei den Schriftgelehrten? Oder sitzen wir mit Jesus und den anrüchigen aber offenen Leuten an einem Tisch? Oder stehen wir draußen wie der ältere Bruder und wollen nicht hineingehen zu diesem Fest?

Aber mir geht es heute gar nicht so sehr um diese Gewissenserforschung. Ich möchte Ihr Herz öffnen für die Freude Gottes über jeden Sünder, der umkehrt. Mechtild von Magdeburg, eine der drei großen Mystikerinnen aus Helfta, spricht sogar davon, dass Gott sich danach sehnt, dass wir seine Liebe erwidern.

 

Auch wenn ich sehr vorsichtig sein möchte, wenn wir menschliche Gefühle von Gott aussagen, auch wenn ich nie vergessen möchte, dass Gott immer unendlich größer ist und anders, als wir ihn uns vorstellen oder erdenken können, so kann ich doch nicht anders, als die Botschaft Jesu von Gottes Freude über den Sünder, der umkehrt, aufzunehmen.                                               Wenn wir uns der Liebe Gottes öffnen, wenn wir zu ihm zurückkehren, dann wartet da jedenfalls nicht einer, der den  Zeigefinger erhebt, nicht einer der genaue Abrechnung hält, wie es uns oft in den Darstellungen von Gottes Gericht gezeigt wird. Nein, Jesus spricht von seinem himmlischen Vater als einem Vater, der seinem heimkehrenden Sohn mit offenen Armen entgegengeht und der sich einfach freut, ihn wiederzuhaben.  Gottes Liebe steht immer vor allen Geboten und Abrechnungen ohne dass die Gebote verschwiegen würden.

Ist das unser Gottesbild, oder wollen wir doch lieber anerkannt wissen, dass wir im Grunde genommen gute Christen sind, die um einiges mehr Verdienste gesammelt haben, als dass sie Fehlleistungen zu verzeichnen hätten. Pochen wir darauf, dass wir uns im Grunde genommen nichts vorzuwerfen haben, und fordern wir, dass über andere, die wirklich anzuklagen sind, streng abgerechnet wird? Tun wir uns schwer, uns etwas schenken zu lassen und selbst großzügig zu sein? Im Gleichnis vom Weinbergsbesitzer, der mit seinen Leiharbeitern abrechnet, fragt einen, der über dessen Großzügigkeit gegenüber denen murrt, die zuletzt gekommen sind: Bist du neidisch, weil ich großzügig bin? Wie ist unser Gottesbild und wie ist unser Menschenbild? Trauen wir Gott zu, dass er großzügig ist und wollen wir großzügig sein, ‚wie unser Vater im Himmel‘, wie Jesus in der Bergpredigt sagt?

Nehmen sie diese Frage mit nach Hause! Vor allem aber nehmen Sie die Botschaft mit, dass Gott uns mit Freude und mit offenen Armen aufnimmt, wenn wir einen Irrweg verlassen, auch wenn wir nicht sicher sind, ob wir dabei konsequent sein können. Dass Gott sich auf uns freut, auf uns Wert legt, das soll uns Motivation sein.

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