Probleme und Fragen: Wie lange haben wir dafür Zeit?

24. März 2019, 3. Fastensonntag, Exod. 3. 1-8 + 13-15; Lk. 13.1-9.

Da haben Sie gerade am Ende des Evangeliums gehört: „Dann magst du ihn umhauen“ und dann „Frohbotschaft unseres Herrn Jesus Christus.“ Sind wir das alles schon so gewohnt, dass es uns nicht mehr stört? Nehmen wir die Gerichtsreden Jesu, die sich gegen Ende seines Lebens häufen, schon gar nicht mehr ernst? Sehen wir in Gott nur noch den barmherzigen Vater und in Christus den guten Hirten und haben den Richter der Welt verdrängt? Sagen wir vielleicht zu schnell: „Die Hölle und die ewige Verdammnis gibt es doch nicht“? Ich hoffe auch, dass Gott keinen Menschen auf ewig verwirft, aber ich glaube, dass es ein Gericht gibt, eine letzte Gerechtigkeit. So ein bisschen gerecht, so halbfertig wie wir jetzt sind, können wir jedenfalls nicht in ein ewiges Glück eintreten. Ich weiß aber nicht – und da sollten wir uns nicht zu schnell auf die Bildreden der Bibel stützen – wie die letzte Gerechtigkeit Gottes aussehen wird. Ich glaube nicht daran, dass Gott irgendein Bedürfnis hat, uns zu strafen. Die Rede vom Zorn Gottes sollten wir aus unserer menschlichen Erfahrung nicht zu direkt auf Gott übertragen. Da gilt das  Schriftwort: „ Ich bin Gott und nicht ein Mensch.“ (Hos.11.0) Was ich aber weiß und sehe und worauf uns Jesus hinweist, das sind die Folgen unserer Sünden jetzt schon und die sind oft die Hölle. Sie treffen ein, sie treffen oft – wie wir meinen – die Falschen und erst auf Umwegen die Verursacher des Übels.

Ein bekanntes Beispiel: Die reichen Nationen und Schichten verursachen den Großteil des Klimawandels; zuerst leiden vor allem die Armen darunter und bei uns trifft es mit voller Wucht erst die nächste oder übernächste Generation – sei es durch klimatische Veränderungen, sei es durch Völkerwanderungen und Kriege, die aus Armut und Wasserknappheit folgen. Unsere Reaktion: wir kürzen im Bundeshaushalt  mittelfristig die Entwicklungshilfe und erhöhen die Verteidigungsausgaben. Oder: Wir lassen uns die Integration von deutschen oder ausländischen Kindern und Jugendlichen, die aus prekären Verhältnissen  kommen, zu wenig kosten und klagen dann, dass die Kosten für Polizei und Gefängnisse steigen. „Aber da können wir doch nichts machen!“ Wirklich nicht?

Die alten Römer haben schon gesagt – und das wird immer noch zitiert – „Wenn du Frieden willst dann rüste zum Krieg“ (si vis pacem, para bellum). Schließlich ist ihr Reich auch daran untergegangen: Sie haben mehr erobert, als sie sichern konnten. Die Alternative wäre auch heute noch: Wenn du Frieden willst, dann sorge für Gerechtigkeit, wie Johannes XXIII gesagt hat. Meine Generation ist die letzte, die den zweiten Weltkrieg und den Nationalsozialismus noch erlebt hat. Wir müssen davon erzählen und dafür sorgen, dass hier nicht wieder mit nationalistischen und demokratiefeindlichen Parolen und Gedanken gespielt wird. Es ist verständlich, wenn viele Alte vor Fremden Angst haben und um ihre Renten fürchten. Dass aber in unserer Altersgruppe die größte Fremdenfeindlichkeit zu finden ist und dass viele vergessen haben, dass sie auch einmal Flüchtlinge waren, das ist erschreckend. So schlecht kann doch unser Gedächtnis nicht sein. Wir können es doch auch besser. Und müssen wir uns von streikenden Schülern sagen lassen, dass wir gegenüber den Jüngeren Verantwortung für diese Erde haben? Wissen wir doch und fliegen dann zum Urlaub in die Südsee.

Jesus sagt: „Glaubt nicht, dass die Menschen, die vom Turm von Schiloah erschlagen worden sind, oder die Pilatus beim Opfern ermorden ließ oder die jetzt in Mozambique ertrunken sind, schlechtere Menschen waren, als ihr“. Wenn uns das Unheil trifft, das wir angebahnt haben, dann fragen wir gern: „Wie kann Gott das zulassen?“ Wir halten es ja auch noch für ungerecht, wenn Religionslosigkeit ein immer hektischer und teurer werdendes Jagen nach Glück produziert oder wenn ein starker Raucher am Lungenkrebs stirbt. Paulus sagt uns dazu: „ Was einer sät, das wird er ernten.“ (Gal. 6.8)

Wir fragen in diesen Fastenpredigten nach den Zeichen der Zeit, die ein Hinweis sein können, was das Konzept einer Gemeinde und einer Kirche im Zentrum dieser Stadt sein könnte. Wir fragen, was Jesu Erwartungen und Jesu Weg für uns sein könnte. Eine Gemeinde im Zentrum kann jedenfalls nicht nur ihre Gläubigen pflegen. Die Gemeinde als ganze muss wieder eintreten „für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“, wie es vor nicht so langer Zeit einmal hieß.  Und wir müssen hinweisen können auf einen Lebenssinn oder einen Gott, von dem wir selbst überzeugt sind.

Dem Feigenbaum wird noch eine Frist gegeben und er bekommt noch ein paar Pflegeeinheiten. Auch uns wird noch eine Frist gegeben und wir sollten auch mit einander Geduld haben und auf Gottes Hilfe vertrauen. Wir brauchen aber auch Ungeduld, denn die Zeit drängt.

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